Die Jungen Philologen Baden-Württemberg trafen sich am Samstag, den 15. Juli 2017, zu ihrer Sommerklausurtagung in Stuttgart. Themen der Tagung waren unter anderem die Einstellungschancen für gymnasiale Lehrkräfte, die unsägliche Praxis der sechswöchigen Arbeitslosigkeit bei befristeten Arbeitsverträgen und bei Referendaren über die Sommerferien, das Qualitätskonzept des Kultusministeriums und das erst am letzten Freitag von Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann verkündete Maßnahmenpaket zur Lehrergewinnung.

 

Zu diesem Maßnahmenpaket äußern sich die Jungen Philologen wie folgt:

1. Zur Möglichkeit für gymnasiale Lehrkräfte, die keine feste Stelle im diesjährigen Einstellungsverfahren bekommen haben, eine zweijährige berufsbegleitende Weiterbildung für den Einsatz in der Grundschule zu absolvieren mit der Möglichkeit, diese Grundschullaufbahn einzuschlagen

Die Jungen Philologen haben sich bereits positiv zu dieser Möglichkeit geäußert, fordern nach Präsentation des Pakets durch die Kultusministerin nun aber auch die Berücksichtigung von gymnasialen Lehrkräften mit den Fächern Englisch und Französisch für dieses Programm. Die Kultusministerin selbst betont: "Die Schüler profitieren von den fachlich gut ausgebildeten Gymnasiallehrern, besonders beim Fremdsprachenunterricht…"

Außerdem nehmen die Jungen Philologen die Kultusministerin beim Wort, wenn sie sagt: "Nicht zuletzt sollen sie damit auch ihre Chancen für eine spätere Einstellung am Gymnasium verbessern können."

"Dies kann eigentlich nur heißen, dass diejenigen gymnasialen Lehrkräfte, die sich für eine gewisse Zeit dazu verpflichten, an einer Grundschule ihren Dienst zu tun, diese Tätigkeit auch als Zusatzqualifikation anerkannt bekommen und sich dann später über dieses Einstellungsverfahren (Zusatzqualifikation) für den gymnasialen Landesdienst bewerben können", so Jörg Sobora, der Landesvorsitzende der Jungen Philologen.

2. Zur Öffnung der Hinzuverdienstgrenze für Pensionäre und zum Hinausschieben der Altersgrenze für angehende Pensionäre

Die Jungen Philologen sind sich der unterschiedlichen Gegebenheiten an den verschiedenen Schularten, was die Problematik eines Bewerbermangels bzw. Bewerberüberhangs angeht, bewusst. Als die Interessenvertretung der Lehramtsstudierenden und der Referendarinnen und Referendare setzen sie sich aber vorrangig für die Einstellung von jungen Lehrkräften und gegen die Weiterbeschäftigung von älteren Lehrkräften über die Pensionierungsgrenze hinaus bzw. die Reaktivierung von Pensionären ein. "Dies kann immer nur eine Notlösung bei akutem Lehrkräftemangel in Mangelfächern oder im ländlichen Raum sein. Sollten junge Lehrkräfte bereitstehen, muss diesen der Vorzug gegeben werden", so der Landesvorsitzende Sobora weiter.

3. Zum Einsatz angehender Lehrerinnen und Lehrer nach Absolvieren ihrer Abschlussprüfung für das Erste oder Zweite Staatsexamen im Rahmen einer Vertretungslehrtätigkeit

Die Jungen Philologen sind der Meinung, dass Lehramtsstudierende noch zu unerfahren für eine Vertretungslehrtätigkeit sind, und dass eine solche Tätigkeit für Referendare auf Grund ihrer eigenen Unterrichtsverpflichtungen eine zu hohe Belastung darstellen würde.

"Statt Flickschusterei fordern wir den Aufbau einer systematischen regionalen mobilen Krankheitsreserve nach dem bayerischen Vorbild. Das Kultusministerium sollte dafür feste Stellen schaffen und diesen Lehrkräften nach einer gewissen Zeit als Krankheitsvertretungen (z.B. 3 Jahren) eine feste Stelle an einem Gymnasium zusichern", so Jörg Sobora.

4. Zum vermehrten Einsatz von Lehramtsanwärtern in Mangelregionen

Die Jungen Philologen zeigen Verständnis dafür, dass der Staat die Versorgung mit Lehrkräften auch im ländlichen Raum gewährleisten muss, kritisieren in diesem Zusammenhang aber die vom Kultusministerium geübte Praxis, statt der ohnehin geringen Wegstreckenentschädigung für Dienstreisen von 25 Cent pro Kilometer an Beamte, den Referendaren weniger als die Hälfte dessen zu gewähren.

Der Landesvorsitzende Sobora: "Das ist ein Skandal, hier spart der Staat bei denjenigen, die am wenigsten haben. Das muss im Lichte sprudelnder Steuereinnahmen schnellstens korrigiert werden. Auszubildende müssen die gleiche Wegstreckenentschädigung wie alle anderen Beamten bekommen."

* * *

An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden über 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt über 8.800 im Verband organisierte Lehrerinnen und Lehrer an den 446 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.

Im gymnasialen Bereich hat der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien die Mehrheit und setzt sich dort für die Interessen der rund 27.000 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.

18.07.2017 / 1811 - 09-17