Junge Philologen treffen sich mit gymnasialen Lehrkräften an Gemeinschaftsschulen in der Landesgeschäftsstelle des Philologenverbandes

Ende November trafen sich die Jungen Philologen in der Landesgeschäftsstelle zu ihrem vierteljährlichen Treffen mit Lehrkräften an Gemeinschaftsschulen. Die Jungen Philologen informierten die Kolleginnen und Kollegen von der Absicht des Verbandes, ein Referat Gemeinschaftsschulen im Verband einzurichten, um noch besser und zielgerichteter die Interessen der gymnasialen Lehrkräfte an Gemeinschaftsschulen vertreten zu können.

Dass diese Interessen vielfältig sind, und die Kolleginnen und Kollegen ein Forum benötigen, um ihre berechtigten Forderungen für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen zu diskutieren, wurde beim Austausch zwischen allen Anwesenden wieder einmal deutlich.

Die Kolleginnen und Kollegen berichteten erneut von einer hohen Arbeitsbelastung, geringer Wertschätzung ihrer Arbeit, häufiger Überlastung, fehlendem Arbeiten auf erweitertem Niveau, fehlenden Perspektiven und fehlender Offenheit gegenüber Schülern und Eltern, aufgrund verklausulierter und nur positiv formulierter Lernentwicklungsberichte, was die wahre Leistungsfähigkeit und schulischen Perspektiven der Schüler anbetrifft.

Ein Schwerpunkt des Treffens war, wie schon bei vergangenen Treffen, Möglichkeiten zu erörtern, wie gymnasiale Lehrkräfte auch Wege von der Gemeinschaftsschule beispielsweise in das System der allgemeinbildenden Gymnasien finden können. Die Teilnehmer waren sich einig, dass bei Bedarf alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden sollten. Theoretisch können Lehrkräfte nach fünf Jahren Verweildauer an einer GMS einen Versetzungsantrag stellen. Dies sollten Interessierte machen, obwohl die Erfolgsaussichten relativ gering scheinen.

Eine wesentlich bessere Möglichkeit stellt eine Bewerbung um eine A14- oder A15-Ausschreibungsstelle dar. Innenbewerber haben zwar oft bessere Erfolgschancen auf eine A14-Stelle, und für eine Funktionsstelle als Abteilungsleiter, Fachberater oder Stellvertreter des Schulleiters sind einige Jahre Berufserfahrung von Vorteil. Manchmal spielt aber auch das Glück mit, und es gibt wenige Bewerbungen auf eine Stelle. Versuchen sollte man es auf jeden Fall. Voraussetzung ist allerdings eine sehr gute dienstliche Beurteilung. Sollte die Situation, in der man sich an seiner GMS befindet, untragbar erscheinen, wäre auch eine Bewerbung für den Auslandsschuldienst oder die Bewerbung an eine andere Gemeinschaftsschule, die eventuell aus einer Realschule hervorgegangen ist, ratsam.

Einige weibliche Lehrkräfte sollen sich auch in die private Familienplanung zurückgezogen haben. Schließlich berichteten viele, dass sie ein Fernstudium aufgenommen haben und weiterbildende Fächer wie z. B. Schulmanagement studieren, um intellektuell wieder mehr gefordert zu sein.

Folgende weitere Themen wurden darüber hinaus noch diskutiert:

Hinsichtlich der WissGem-Begleitstudie hoben die Teilnehmer wie schon bei vergangenen Treffen hervor, dass selbst die Autoren der Studie zugeben, dass die Studie über viele Aspekte gar keine Aussagen treffen kann, da die Repräsentativität nicht immer vorliege. Außerdem könnten keine Aussagen darüber getroffen werden, ob die GMS die Bildungsgerechtigkeit positiv beeinflusse, weil dafür langjährige Untersuchungen notwendig wären. Grundsätzlich wird deutlich, dass leistungsschwächere Schüler mit der Pädagogik des selbstorganisierten Lernens größere Schwierigkeiten haben und eher die Anleitung durch die Lehrkraft benötigen.

Die Autoren der Studie bescheinigen den Lehrkräften an Gemeinschaftsschulen eine hohe Bereitschaft zusammenzuarbeiten, neue Wege zu gehen, sich professionell weiterzuentwickeln und nicht vorhandene Materialien zu erarbeiten. Es macht aber auch nachdenklich, wenn eine nicht unerhebliche Anzahl von Lehrkräften sich ihrer eigenen Schulart gegenüber eher skeptisch äußert und sich mehr Ressourcen und bessere Arbeitsbedingungen sowie Planungssicherheit wünscht. So sprechen auch die Autoren selbst von der Gefahr einer Überforderung und Überarbeitung für die Lehrkräfte.

Insbesondere wunderten sich die Teilnehmer dieses Treffens darüber, dass die im Januar 2016 in einer Kurzversion und im Mai 2016 ausführlicher in Buchform erschienene Studie nicht mehr Resonanz in der Öffentlichkeit und nachfolgende Kritik an der Pädagogik und Methodik der Gemeinschaftsschule zur Folge gehabt hatte.

Das nächste Treffen der Jungen Philologen mit gymnasialen Lehrkräften an Gemeinschaftsschulen wird am Samstag, 18. März 2017, 10.00 - 16.00 Uhr

in der Landesgeschäftsstelle des Philologenverbandes, Alexanderstraße 112 in Stuttgart stattfinden.


Jörg Sobora,

Landesvorsitzender der Jungen Philologen



 

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